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Gehaltserhöhung richtig fordern und verhandeln – Dein Ratgeber

Inhalt

Die Gehaltserhöhung richtig fordern und verhandeln – Dein Ratgeber

Den Mut aufzubringen, mehr Geld zu verlangen, ist für viele von uns keine leichte Aufgabe. Vor allem, wenn es das erste Mal ist, dass dieser Schritt ansteht.

Eine Gehaltserhöhung ist immer auch eine Belohnung für erbrachte Leistungen und einen Beitrag zum Unternehmen, welcher über den Erwartungen lag.

Um diese Belohnung zu erlangen, musst du deinen oder deine Vorgesetzte/n darum bitten.

Aber keine Angst, mit dem richtigen Timing, Verhandlungstaktiken und psychologischen Tricks, wirst du voller Selbstvertrauen in das Verhandlungsgespräch gehen. Wie heißt es so schön: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Dieser Ratgeber zeigt dir wie du Gehaltserhöhung richtig verhandelst!

In 5 Schritten zur Verhandlung der Gehaltserhöhung

Doch zunächst einen Schritt zurück. Bis zur Verhandlung der Gehaltserhöhung sind einige Schritte notwendig, um am Tag X optimal vorbereitet zu sein.

  1. Erstelle eine Liste deiner erbrachten Leistungen

Du bist überzeugt, dass du mehr Geld verdient hast? Dann solltest du bereit sein diesen Umstand zu belegen. Zeige deinem Chef bzw. deiner Chefin, wie wertvoll du für das Team oder aktuelle Projekt bist und weise auf konkrete Fälle hin, in denen du über deine Pflichten hinaus agiert hast.

Idealerweise dokumentierst du wichtige Beiträge, die du in deinem Job leistest. Das können zum Beispiel quantifizierbare Fakten wie Geldeinsparungen oder Umsatzsteigerungen sein.  

Aber auch qualitative Errungenschaften sind relevant. Vielleicht hast du dazu beigetragen zwischenmenschliche Fehden aus dem Weg zu räumen oder du hast unter Druck herausragende Führungsqualitäten gezeigt.

Sei dabei so konkret wie möglich und untermauere deine Argumentation (Erfahre mehr dazu in unserem Artikel über starke Argumente und Gründe für eine Gehaltserhöhung)

Wenn sich deine Stellenbeschreibung im letzten Jahr geändert hat oder du zusätzliche Aufgaben übernommen hast, füge diese in deine Liste der erbrachten Leistungen ein. Dies gilt auch für Schulungen, erhaltene Zeugnisse oder Zertifikate sowie komplette akademische Abschlüsse.

Lasse dabei deine persönliche finanzielle Situation außen vor. Deinen Chef oder deine Chefin interessiert es in diesem Zusammenhang nicht, dass deine Miete gestiegen ist, du eine Hochzeit zu bezahlen hast oder ein neues Baby erwartet wird

Bei der Zusage zu einer Gehaltserhöhung darf es nur um das Endergebnis der Firma gehen.

Bitte nur dann um eine Gehaltserhöhung, wenn du das Gefühl hast, sie auch wirklich verdient zu haben – nicht, weil du sie gerade finanziell brauchst.

  1. Finde deinen Marktwert heraus

Am Ende des Tages wird von dir verlangt, dass du eine genaue Angabe machst über dein gewünschtes Jahresgehalt. Daher ist es wichtig Verständnis über den branchenüblichen und somit eigenen Marktwert zu erlangen.

Wenn du weißt, was andere in deinem Bereich verdienen, kannst du diese Zahl zum Beispiel als Ausgangspunkt für Verhandlungen verwenden.

Bei der eigenen Marktwertbestimmung können auch Online-tools verwendet werden.

  1. Ziehe es in Erwägung auch Vorteile und Vergünstigungen auszuhandeln

Eine Gehaltserhöhung muss nicht zwingend durch ein höheres Jahressalär stattfinden. Denke in diesem Zusammenhang auch an andere Bereiche, die dir wichtig sind wie z.B. Urlaubszeit, Aktienoptionen, die Erstattung von Studiengebühren, flexible Arbeitszeiten oder einen Firmenwagen.

Es könnten auch Forderungen nach Homeoffice Tagen oder einem prestigeträchtigeren Job Titel sein, der einem langfristig in der Karriereplanung hilft.

Falls dir derartige Vorteile und Vergünstigungen wichtig sind, kannst du diese auch in den Vordergrund deiner Gehaltsverhandlungen stellen.

  1. Achte auf den richtigen Zeitpunkt, um eine Gehaltserhöhung zu fordern

Wenn deine jährliche Leistungsbeurteilung noch in weiter Ferne liegt, suche den Dialog mit deinem Chef oder deiner Chefin. Im besten Fall nachdem du gute Arbeit geleistet hast oder zusätzlich Verantwortung übernommen hast.

Dadurch ergibt sich für dich eine günstige Verhandlungsbasis, da der Chef oder die Chefin bereits positiv gestimmt ist.

  1. Gehe gut vorbereit und professionell in das Verhandlungsgespräch

Nun ist es an der Zeit einen Termin mit dem/ der Vorgesetzten zu vereinbaren und an diesen kompromissbereit heranzutreten. Vergiss nicht, deine Liste der hervorragenden Leistungen sauber abgetippt mitzubringen.

Vergleiche dich bei deiner Argumentation nicht mit Kollegen, sondern lenke den Fokus auf deine erbrachten Leistungen. Vermeide zudem gierig oder eingebildet zu wirken.

Wenn du erst seit ein oder zwei Jahren in deinem Einstiegsjob bist, ist es unrealistisch, einen saftigen Bonus, eine deutliche Gehaltserhöhung oder eine prestigeträchtige Beförderung zu erwarten, es sei denn, du hast dich wirklich selbst übertroffen.

Wenn du mit zu großen Ansprüchen in die Verhandlungen gehen, kann das deinen Chancen schaden.

10 erfolgreiche Verhandlungstaktiken und psychologische Tricks

Da du nun weißt, welche Schritte vor der Verhandlung bzw. dem Gespräch zur Gehaltserhöhung anstehen, geben wir dir nun einige Verhandlungstipps mit an die Hand.

  1. Fordere als Gehalt eine krumme Zahl

Nenne beispielsweise 89.753 Euro statt 90.000 Euro. Sozialpsychologen konnten in mehreren Studien nachweisen, dass die Angabe einer krummen Gehaltsziffer besser vorbereitet wirkt. Dem Empfänger, in diesem Fall dein Chef, wird so signalisiert, dass du dir deinem Marktwert genau bewusst bist.

  1. Mache als erstes dein Angebot, um einen „Anker“ zu setzen

Psychologen haben nachgewiesen, dass Menschen dazu tendieren, sich sehr auf die allererste Information zu verlassen, die sie erfahren. In der Psychologie ist diese Art der kognitiven Verzerrung als "anchoring bias" oder "anchoring effect" bekannt.

Das bedeutet konkret, dass die erste Zahl die genannt wirkt starken Einfluss auf das Endergebnis der Gehaltsverhandlung hat. Deshalb solltest du nicht zurückhaltend agieren, sondern im Idealfall das erste Gebot im Gehaltsgespräch abgeben.

  1. Harmonisierende Körpersprache: Die Spiegeltechnik oder „Chameleon Effekt“

Ein weiterer erwiesener Effekt in der Sozialpsychologie ist die sogenannte Spiegeltechnik. Die Wahrscheinlichkeit, dass zwei Menschen miteinander sympathisieren erhöht sich mit der Ähnlichkeit beziehungsweise Harmonisierung ihrer Körpersprache.

Diesen Effekt kannst du gezielt für dich nutzen, indem du Elemente der Körpersprache sowie Wörter subtil adaptierst. Wichtig ist, dass du jedoch das richtige Maß findest und dabei deinen Chef oder deine Chefin nicht „nachäffst“.

  1. „Prime“ den Verhandlungspartner auf ein „Ja“

„Priming“ oder der sogenannte Priming-Effekt tritt auf, wenn die Konfrontation einer Person mit einem bestimmten Stimulus ihre Reaktion auf einen nachfolgenden Stimulus beeinflusst, ohne dass sie sich der Verbindung bewusst ist.

Indem du vor der Verhandlung simple Fragen stellst, auf die dein Verhandlungspartner mit „Ja“ antwortet, kannst du ihn unterbewusst beeinflussen.

Zum Beispiel kannst du deinen Chef oder Chefin Fragen, ob er/ sie ein schönes Wochenende hatten oder, ob er oder sie das Wetter auch so gut beziehungsweise schlecht finden.

  1. Nutze den Effekt konkurrierender Jobangebote

Kein Unternehmen möchte einen leistungsstarken Mitarbeiter verlieren. Tatsächlich haben Studien ergeben, dass die "durchschnittlichen Kosten für den Ersatz eines Mitarbeiters ganze 20 Prozent des Jahresgehalts der Person betragen." Für viele Arbeitgeber ist das Angebot einer Gehaltserhöhung kostengünstiger als eine Neueinstellung.

Um die verdiente Gehaltserhöhung zu bekommen, musst du manchmal mit einem anderen Angebot auf deinen derzeitigen Arbeitgeber zugehen. Um dich zu halten, muss dein Arbeitgeber logischerweise mit dem Angebot des Konkurrenten mithalten oder es übertreffen.

  1. Baue eine persönliche Bindung zu deinem Gesprächspartner auf

Es ist ratsam deine Gespräche nicht "rein geschäftlich" zu halten, wenn du eine Gehaltsverhandlung angehst.

Studien haben ergeben, dass erfolgreiche Verhandlungsakteure effektiver sind, wenn sie eigene persönliche Geschichten miteinbauen. Das Erzählen von Hobbys oder anderen Dingen, die nicht direkt mit dem Geschäft zu tun haben, kann Sympathien erhöhen, so die Studie, und das erhöht die Chancen auf die gewünschte Gehaltserhöhung.

Das bedeutet allerdings nicht, dass du das Gespräch komplett in eine Diskussion über dein Privatleben verlagern solltest. Aber wenn du ein paar interessante Details erzählst, um eine stärkere Bindung zu deinem Chef oder deiner Chefin aufzubauen, kannst du während des Verhandlungsprozesses einen positiven Eindruck hinterlassen.

  1. Sei flexibel während des Gehaltsgesprächs

Selbst wenn dein Arbeitgeber nicht in der Lage ist, den von dir gewünschten Gehaltsbetrag zu zahlen, kann er möglicherweise andere Formen der Vergütung anbieten.

Du kannst zum Beispiel mehr Aktienoptionen, zusätzliche Urlaubstage, einen Anmeldebonus oder zusätzliche Arbeitstage von zu Hause aus aushandeln, um einen langen Arbeitsweg zu vermeiden.

Sei darauf vorbereitet, nach Alternativen zu fragen, wenn der Arbeitgeber dir im Verhandlungsgespräch mitteilt, dass er der Bitte um Gehaltserhöhung nicht nachkommen kann. In einigen Fällen können diese genauso wertvoll (oder sogar wertvoller) sein als ein Gehaltsscheck.

  1. Nutze die „70-30 Regel“

Diese Regel bedeutet, dass du 70 % der Zeit im Gespräch um die Gehaltserhöhung zuhörst, um die Position des Arbeitgebers, seine Optionen, seine Ansichten oder seine Präsentation dessen, was das Unternehmen zu bieten hat, zu erfahren.

Unterbreche deinen Verhandlungspartner nicht - niemals. Scheue dich sich nicht, Fragen zu stellen. Offene Fragen sind jedoch besser, da diese Fragen zur Diskussion und weiteren Erkundung anregen und dich mit detaillierteren Informationen ausstatten können.

  1. Verwende rhetorische Pausen

Verhandlungspartner können oft nicht mit Stille umgehen und fühlen sich so genötigt zu sprechen. Dabei reden sie sich um Kopf und Kragen und geben zu viel Preis.

Schweigen ist eine sehr effektive Verhandlungstaktik. Ganz konkret könnte das so aussehen: "Ich möchte nächstes Jahr 10 Prozent mehr verdienen." Dann wird geschwiegen - das unterstreicht nebenbei noch die Entschlossenheit.

  1. Der Benjamin-Franklin-Effekt

Der Benjamin-Franklin-Effekt ist ein nachgewiesenes psychologisches Phänomen, wonach wir Menschen sympathischer finden, denen wir mal einen Gefallen getan haben.

Dies geschieht natürlich nicht in Form einer Gehaltserhöhung – das wäre zu einfach. Du könntest allerdings vor dem Gespräch, um ein Glas Wasser bitten. Dadurch würde dir ein Gefallen getan, der sich positiv auf die dir entgegengebrachte Sympathie auswirkt.

Gehaltserhöhung verhandeln: Brutto oder Netto?

Im Gespräch um deine Gehaltserhöhung geht es stets um dein Brutto-Jahresgehalt. Dies ist sowohl bei Gehaltserhöhung als auch beim Einstiegsgehalt der Fall.

Dies liegt daran, dass der Arbeitgeber das Brutto-Gehalt bezahlt und es deshalb die für ihn relevante Größe ist.

Welches Gehalt du letztendlich netto erhältst, ist für deinen Arbeitgeber von großem Interesse.

Gehaltserhöhung abgelehnt: 5 Tipps wie du dich verhalten sollst

  1. Bleibe ruhig, falls deine Gehaltserhöhung abgelehnt wurde

Es mag verlockend sein, wütend zu werden, wenn eine Ablehnung entgegengebracht wird.

Du hast zweifellos deine Argumente vorgetragen und mit Fakten und persönlichen Leistungen untermauert, daher ist es nur natürlich, verletzt und wütend zu sein.

Hitzig zu werden und sich im schlimmsten Fall auf ein Schreiduell oder einen Streit mit deinem oder deiner Vorgesetzten einzulassen, wird jedoch niemandem etwas nützen.

Es drängt deine(n) Chef oder Chefin in die Defensive und birgt Potenzial für eine unangenehme Arbeitsumgebung, während es dich außerdem als unprofessionell und unfähig, mit Widrigkeiten umzugehen, darstellt.

  1. Frage nach, warum es nicht für eine Gehaltserhöhung gereicht hat

Die gewünschte Gehaltserhöhung hat nicht geklappt und die große Frage ist warum?

Seien wir ehrlich, es könnte einen wirklich guten Grund geben, warum eine Gehaltserhöhung verweigert wird.

Gerade in Zeiten einer Pandemie, und je nach Größe des Unternehmens, der Branche, und den aktuellen Ereignissen könnte die Ausrede "Wir haben es einfach nicht im Budget" stichhaltig sein.

Vielleicht erreichst du auch deine Ziele nicht oder du bist zwar erfolgreich, konzentrierst dich aber auf die falschen Bereiche.

Was auch immer der Grund ist, finde es heraus und nehme es direkt beim Wort, damit du bei der nächsten Leistungsbeurteilung Fortschritte zeigen kannst.

Wenn du nicht genau weißt was falsch läuft, wirst du es auch nicht verbessern können.

  1. Konzentriere dich auf die Zukunft

Wenn du zu lange in der Vergangenheit und im Negativen verweilst, wirst du nicht das erreichen, was du möchtest.

Sobald du herausgefunden hast, was schiefgelaufen ist und warum du die Gehaltserhöhung nicht bekommen hast, überlege dir einen Plan, um sicherzustellen, dass du einen klaren Weg zum Erfolg hast.

Kooperiere mit deinem oder deiner Vorgesetzten, um sicherzustellen, dass du dich auf die richtigen Ziele konzentrierst.

Machen klar, wo deine Prioritäten liegen, damit du keine Zeit damit verbringst, im falschen Bereich zu arbeiten.

So hart die Kritik auch sein mag, nehme Sie dir zu Herzen und nutzen Sie, um sicherzustellen, dass das Gespräch zur Gehaltserhöhung beim nächsten erfolgreich wird.

  1. Fordere kontinuierliches Feedback zu deinen Leistungen

Zeige deiner Chefin bzw. deinem Chef, dass du nicht nachtragend oder persönlich verletzt bist. Vereinbare einen Termin in der Zukunft, um sich erneut treffen und die Frage der Gehaltserhöhung erneut zu besprechen.

Das zeigt nicht nur, dass du nicht vorhast, ein Risikomitarbeiter zu werden, sondern dass du die Ablehnung im Hinterkopf hast und bereits auf ein positiveres Ergebnis in der Zukunft hinarbeitest.

Stelle nur sicher, dass du die vereinbarten Ziele bis dato erfüllst.

  1. Denke darüber nach, den Job zu wechseln

Manchmal hast du entweder einen schlechten Chef oder ein Unternehmen, das seine Mitarbeiter nicht wertschätzt.

Wenn das wirklich der Fall ist, ist es vielleicht an der Zeit, darüber nachzudenken, das Schiff zu verlassen.

Das sollte keine Kurzschlussreaktion sein oder in einem Wutanfall geschehen, gleich nachdem Ihr Antrag auf Gehaltserhöhung abgelehnt wurde. Aber wenn du alle Ziele erreicht hast und ein beständiger Leistungsträger bist, dem Erhöhungen und Aufstiegsmöglichkeiten ohne triftigen Grund verweigert werden, dann musst du das tun, was für dich am besten ist, und das könnte bedeuten, dass du dir eine neue Chance suchst.

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